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Warum ist der Knabe mit der roten Weste 100 Millionen wert?

Bei Strassenumfragen zum Raubüberfall in der Zürcher Sammlung Bührle zeigt sich der Laie betroffen über den Verlust der gestohlenen Kunstobjekte, gleichzeitig ist er aber auch erstaunt über den enormen Wert eines impressionistischen Gemäldes. Im Falle des Diebstahls in Zürich, spricht man von 180 Millionen. Allein der „Knabe mit der roten Weste“ wird auf 100 Millionen Franken geschätzt.

Wie kommen solche Werte zustande, zumal es doch heisst, dass die Werke unverkäuflich sind? Hier spielen ganz unterschiedliche Einflüsse eine Rolle. Die wohl wichtigste Funktion bei der Preisbestimmung übernimmt der Markt selber. Angebot und Nachfrage spielen, wie wir dies aus der Wirtschaft kennen, auch in der Kunst eine wesentliche Rolle. Gerade bei solchen einzigartigen Kunstobjekten wie dem „Knaben mit der roten Weste“ ist der Hunger der potentiellen Käufer gross. Begünstigt durch neue Käufergruppen, wie etwa Kunstsammler aus Russland oder China, schnellen die Preise noch rasanter in die Höhe. Ist der Markt hingegen übersättigt, können Preise schnell wieder sinken.

Nicht jedes Werk eines bekannten Künstlers erzielt Rekordpreise. So blieb jüngst ein hoch angesetzter Picasso beim Auktionshaus liegen. Qualität ist ein wesentliches Kriterium, das für die Preisentwicklung von Bedeutung ist. Auch der Stellenwert des einzelnen Werkes im Gesamtoeuvre des Künstlers ist massgebend. Das geraubte Gemälde von Cézanne ist ein solches Spitzenwerk. Ein weiteres wesentliches Kaufsargument, ist die Geschichte des Bildes, die Provenienz. Woher kommt das Bild, wie oft hat es den Besitzer gewechselt? Erscheint ein Werk zum ersten Mal in einem Auktionshaus kann dies wertsteigernd sein.

Wie kann da der Laie überhaupt noch die Übersicht über die Kunstpreise bewahren? Die Kunstspezialisten in Versicherungen und Auktionshäusern verfügen über verschiedene Hilfsmittel. Zum einen recherchieren Sie nach oben genannten Kriterien, zum anderen nehmen sie einen Marktvergleich vor. Hier bedienen sie sich der ihnen zur Verfügung gestellten Kunstdatenbanken wie beispielsweise dem Artnet. Durch Vergleiche mit ähnlichen, verkauften Kunstwerken kann eine Schätzung vorgenommen werden.

Die Preise der Kunstwerke unterliegen also nicht der puren Fantasie. Sie folgen bestimmten Gesetzen, die allerdings nicht immer vorhersehbar sind. Der Versicherer ist deshalb auch immer bemüht, mit dem Sammler bzw. Museum die Werte gemeinsam zu vereinbaren. Immerhin kann er dann im Schadenfall den monetären Verlust ersetzen oder durch sein Netzwerk und seine Kontakte dazu beitragen, dass das Kunstwerk wieder zu seinem rechtmässigen Besitzer gelangt, beziehungsweise bei einer Beschädigung fachgerecht restauriert wird. Denn der ideelle Wert eines Kunstwerkes ist leider nicht versicherbar.

Jessica Stiburek, Art Unterwriting UNIQA Versicherung AG



 
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